Ratgeber · Handwerk Nordhessen
Algen und Grünbelag an der Fassade – Ursachen und Lösungen
Algen an der Fassade wachsen bevorzugt dort, wo Oberflächen länger feucht und schattig bleiben. Der Bewuchs ist häufig vor allem ein optisches Problem und nicht automatisch ein Hinweis auf einen baulichen Feuchteschaden. Sie entstehen bevorzugt an schattigen, feuchten Stellen – Nord- und Ostseiten, Bereiche unter fehlenden Dachüberständen, Wärmedämmverbundsysteme mit erhöhter Oberflächenfeuchte. Reinigung allein behebt die optische Störung, aber nicht die Ursache. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von Ursache und Umfang ab.
Ursachen für Algenbefall
Algen brauchen Feuchtigkeit und Nährstoffe. An Fassaden entstehen günstige Bedingungen durch:
Verschattung. Nord- und Ostseiten bekommen weniger Sonne, der Putz trocknet langsamer. Feuchte bleibt länger auf der Oberfläche, und Algen können sich ansiedeln.
Geringer konstruktiver Wetterschutz. Fassaden mit wenig Dachüberstand oder starkem Schlagregen können länger feucht bleiben als gut geschützte Bereiche.
Bäume und Sträucher. Nähe zu Vegetation erhöht die Luftfeuchtigkeit und liefert Nährstoffe (Pollen, organische Partikel).
Wärmedämmverbundsysteme (WDVS). Die äußere Putzoberfläche kann insbesondere nachts stärker auskühlen und dadurch länger feucht bleiben. Zusammen mit Verschattung kann das Algen- und Pilzwachstum begünstigen.
Diese Ursachen wirken zusammen. Welche im Einzelfall dominieren, hängt von Gebäude, Lage und Fassadenaufbau ab.
Algen sind nicht nur Verschmutzung
Algen an der Fassade sind nach Einschätzung des Umweltbundesamts in vielen Fällen vor allem ein optisches Problem. Trotzdem lohnt sich die Prüfung, ob besondere Feuchtebedingungen oder zusätzliche Putzschäden vorliegen:
Oberflächenfeuchte. Bewuchs zeigt, dass die Oberfläche zeitweise günstige Feuchtebedingungen für Algen bietet; das ist nicht automatisch ein Feuchteschaden im Bauteil.
Zusätzliche Schäden. Sind gleichzeitig Risse, Abplatzungen oder Durchfeuchtung vorhanden, müssen diese separat beurteilt werden.
Wiederkehr. Bleiben Verschattung, Wettereinwirkung und Oberflächenfeuchte unverändert, kann der Bewuchs nach einer Reinigung wiederkehren.
Deshalb gehört die Ursachenanalyse zur Lösung, nicht nur die Reinigung.
Reinigungsmethoden
Bürste und Wasser. Für oberflächlichen Befall; mechanische Entfernung mit weicher Bürste.
Niederdruckreinigung. Wasser bei niedrigem Druck, ggf. mit Reinigungszusatz. Schonender als Hochdruck, ausreichend bei leichtem Befall.
Hochdruckreinigung. Wirksam bei stärkerem Befall, aber riskant für den Putz: Zu hoher Druck beschädigt die Oberfläche und öffnet Poren für erneutes Wachstum. Hochdruck gehört in die Hand des Fachbetriebs, der Druck und Abstand richtig einstellt.
Trockeneisstrahlen und andere Verfahren. Spezialverfahren für besondere Untergründe; relevant bei empfindlichen Fassaden oder denkmalgeschützten Gebäuden.
Bei der Reinigung ist wichtig, dass die Sporen nicht nur verschoben, sondern entfernt werden. Hochdruck kann Sporen in den Untergrund drücken, wenn er falsch angewendet wird.
Beschichtende Behandlung
Nach der Reinigung kann eine beschichtende Behandlung die Wiederkehr verzögern:
Fassadenfarben mit Algen- und Pilzschutz enthalten Wirkstoffe, die das Wachstum hemmen
Dezent beschichtete Putze im WDV haben integrierten Schutz
Die Wirksamkeit ist zeitlich begrenzt; die Wirkstoffe verbrauchen sich oder werden ausgewaschen. Welche Behandlung konkret sinnvoll ist, hängt vom Putzsystem und der Fassadensituation ab.
Biozide: kein Pauschalrezept
Biozide Wirkstoffe in Fassadenfarben und Reinigungsmitteln sind wirksam, aber nicht unproblematisch: Sie können in Boden und Wasser gelangen und dort Wirkungen auf Organismen haben. Pauschale Empfehlungen sind deshalb nicht sinnvoll. Welche Behandlung für Ihre Fassade sinnvoll ist, hängt von Putz, Lage, Umweltaspekten und dem konkreten Befall ab. Der Fachbetrieb kann die Optionen aufzeigen; für den Einsatz von Bioziden gelten regulatorische Vorgaben, die sich ändern können.
Bauliche Maßnahmen gegen die Ursachen
Wenn die Feuchtigkeitsursache baulich begründet ist, kann die Behandlung über Reinigung hinausgehen:
Dachüberstände oder Vordächer reduzieren die Beregnung der Fassade
Vegetation an der Fassade reduzieren oder Abstand erhöhen
Putzsystem bei Sanierung auf weniger anfällige Variante umstellen
Beschattung prüfen – im Einzelfall kann eine Anpassung der Umgebung helfen
Solche Maßnahmen sind bei einer ohnehin geplanten Fassadensanierung effizienter als bei einer isolierten Nachrüstung.
Wann ein Fachbetrieb sinnvoll ist
Die Reinigung einer Fassade ist bei einfachen Situationen auch selbst möglich, aber:
Hochdruck braucht Erfahrung, um den Putz nicht zu beschädigen
Gerüst oder Hubarbeitsbühne ist bei höheren Gebäuden nötig
Ursachenanalyse braucht Kenntnis von Putzsystem und Bauteilaufbau
Behandlung mit beschichtenden Produkten braucht Systemkenntnis
Bei höheren Gebäuden, WDVS-Fassaden oder starkem beziehungsweise wiederkehrendem Befall ist die Beurteilung durch einen Fachbetrieb sinnvoll.
Häufige Fragen
Sind Algen an der Fassade gefährlich?
Für die Struktur des Gebäudes sind sie in der Regel nicht akut gefährlich, aber sie sind ein Hinweis auf Feuchtigkeit. Bei dauerhaftem Befall können Putzschäden entstehen.
Kann ich Algen einfach abspritzen?
Bei leichtem Befall und einfachem Zugang kann eine schonende Reinigung möglich sein. Bei Hochdruck ist Vorsicht nötig, weil zu hoher Druck den Putz beschädigen kann. Bei WDVS-Fassaden ist die Beurteilung durch den Fachbetrieb sinnvoll.
Kommt der Befall wieder?
Der Bewuchs kann wiederkehren, wenn die für Algen günstigen Bedingungen bestehen bleiben. Reinigung beseitigt den sichtbaren Bewuchs; konstruktive Maßnahmen oder geeignete Beschichtungssysteme können die Wiederkehr reduzieren.
Was sind Biozide, und sind sie bedenklich?
Biozide sind Wirkstoffe, die Algen und Pilze hemmen. Sie sind wirksam, aber nicht unproblematisch für Umwelt und Wasser. Pauschale Empfehlungen sind nicht sinnvoll; der Fachbetrieb zeigt die Optionen auf.
Warum können WDVS-Fassaden Algenbewuchs zeigen?
Die äußere Putzoberfläche eines WDVS kann insbesondere nachts stärker auskühlen und länger feucht bleiben. Zusammen mit Verschattung kann das Bewuchs begünstigen.
Kann ich die Ursache baulich beheben?
Teilweise. Dachüberstände, Vordächer und Anpassungen der Vegetation reduzieren die Beregnung. Bei einer ohnehin geplanten Fassadensanierung lassen sich solche Maßnahmen effizient integrieren.
Passenden Betrieb finden
Wenn Ihre Fassade Algen zeigt und Sie die Ursache klären möchten, können Sie Ihr Projekt ebenfalls einstellen. Der passende Fachbetrieb kann die Situation vor Ort beurteilen. Handwerk Nordhessen hilft dabei, passende Maler und Stuckateure aus Nordhessen zu finden.