Ratgeber · Handwerk Nordhessen

Grundstück entwässern – Lösungen bei Regenwasser

Regenwasser auf dem Grundstück braucht einen Weg: über Gefälle zu Rinnen, in die Versickerung oder in den Kanal. Welche Lösung passt, hängt von Boden, Grundstückslage und kommunalen Vorgaben ab. Die kommunalen Regelungen zur Regenwasserentsorgung variieren und sollten vor der Planung geprüft werden – pauschale Aussagen sind hier nicht zulässig.

Die Grundlogik der Entwässerung

Regenwasser braucht immer drei Elemente:

Sammeln. Wasser an der Stelle aufnehmen, wo es anfällt (Dach, Fläche, Weg)

Ableiten. Zum Sammelpunkt oder Ablauf führen, über Gefälle oder Rohrleitungen

Abführen. Ins Grundwasser (Versickerung), in eine Zisterne (Nutzung) oder in den Kanal

Welche Kombination passt, hängt von Boden, Grundstück und kommunalen Vorgaben ab.

Gefälle

Das Gefälle ist die Grundlage jeder Entwässerung:

Flächen sollten so angelegt sein, dass Wasser weg vom Haus abfließt

Übliche Gefälle für Wege und Terrassen liegen im niedrigen Prozentbereich als grobe Orientierung; die konkrete Ausführung hängt vom Belag ab

Bei flachen Grundstücken ist das Gefälle konstruktiv zu erzeugen; bei Hanglagen fließt das Wasser von selbst

Falsches oder fehlendes Gefälle ist eine häufige Ursache für stehendes Wasser und Feuchtigkeit am Haus.

Rinnen

Rinnen sammeln Wasser an definierten Stellen:

Linienentwässerung an Einfahrten und Terrassen; Rinnen mit Abdeckung, die an eine zulässige Ableitung, Versickerung oder Entwässerungsleitung angeschlossen werden

Punktablauf an tiefsten Stellen

Anschluss an Rohrleitungen oder Versickerung

Rinnen brauchen Reinigung; Laub und Schmutz sammeln sich. Wer Rinnen plant, sollte die Zugänglichkeit für die Reinigung berücksichtigen.

Versickerung

Versickerung führt das Regenwasser ins Grundwasser, auf dem eigenen Grundstück:

Boden suitability. Der Boden muss wasserdurchlässig sein; sandige Böden eignen sich besser als lehmige

Mulden, Rigolen, Sickeranlagen – verschiedene Formen der Versickerung

Abstand zu Gebäuden, Grundstücksgrenzen und Trinkwasserbrunnen; die konkreten Abstände hängen von Regelungen ab

Ob Versickerung möglich ist, hängt von Boden und kommunalen Vorgaben ab. In manchen Gemeinden ist Versickerung erwünscht oder vorgeschrieben, in anderen ausgeschlossen. Die Klärung mit der Gemeinde sollte vor der Planung stehen.

Rigole

Eine Rigole ist ein unterirdisches Sickersystem:

Aufbau. Ein unterirdischer Speicher- und Versickerungsraum, beispielsweise aus Kieskörpern oder Rigolenelementen, in dem Regenwasser zwischengespeichert und in den Boden abgegeben wird

Platzbedarf. Rigolen brauchen unterirdischen Raum. Unter befestigten oder befahrenen Flächen sind sie nur mit dafür geeigneten, statisch ausgelegten Systemen möglich

Wartung. Rigolen sind nach der Installation nicht einsehbar; ein Reinigungszugang ist sinnvoll

Rigolen sind eine Lösung, wenn Versickerung möglich ist, aber Fläche an der Oberfläche nicht zur Verfügung steht.

Zisterne

Eine Zisterne sammelt Regenwasser zur Nutzung:

Nutzung. Vor allem Gartenbewässerung; auch WC-Spülung oder Waschmaschine sind mit einer dafür fachgerecht geplanten separaten Betriebswasserinstallation möglich

Größe. Hängt von Dachfläche und Nutzungsziel ab

Überlauf. Bei vollem Behälter läuft das Wasser über – in Versickerung oder Kanal

Eine Zisterne kombiniert Entwässerung und Nutzung; sie reduziert den Kanalwasserabfluss und liefert Wasser für den Garten.

Kanalanschluss

Wenn Versickerung nicht möglich ist, geht das Wasser in den Kanal:

Kanalanschluss über Rohrleitungen und ggf. Schächte

Gebühren – Kanalgebühren variieren; in manchen Kommunen ist Versickerung günstiger, weil sie den Kanal entlastet

Vorgaben – was angeschlossen werden darf und muss, hängt von der Kommune ab

Die kommunalen Vorgaben variieren; was konkret für Ihr Grundstück gilt, klärt der Fachbetrieb in Abstimmung mit der Gemeinde.

Rückstau

Rückstau entsteht, wenn Kanalwasser in das Grundstück zurückdrückt – etwa bei Starkregen, wenn der Kanal voll ist. Die Folgen sind überschwemmte Kellerräume.

Schutz vor Rückstau:

Rückstauverschluss – nur für dafür geeignete Entwässerungsstellen und unter den zulässigen Betriebsbedingungen einsetzbar

Hebeanlage – hebt Abwasser über die Rückstauebene und ist für bestimmte Entwässerungsstellen unterhalb dieser Ebene die erforderliche Lösung

Wartung – Rückstauklappen und Hebeanlagen brauchen Wartung, um im Ernstfall zu funktionieren

Wer einen bewohnten oder ausgebauten Keller hat, sollte den Rückstauschutz prüfen; die Beurteilung gehört in die Hand eines Fachbetriebs.

Die Lösung hängt vom Grundstück ab

Welche Lösung passt, hängt von mehreren Faktoren ab:

Für die konkrete Planung gehören die Beurteilung des Grundstücks und die Klärung der kommunalen Vorgaben dazu.

FaktorEinfluss
BodenartSandig gut versickerbar, lehmig schwierig
GrundstücksgrößeFläche für Versickerung oder Zisterne
HanglageGefälle vorhanden oder zu erzeugen
Kommunale VorgabenVersickerung erwünscht, geduldet oder ausgeschlossen
KanalgebührenWirtschaftlichkeit von Versickerung
KellerRückstauschutz relevant
NutzungGartenbewässerung durch Zisterne sinnvoll

Häufige Fragen

Kann ich Regenwasser einfach versickern?

Hängt von Boden und kommunalen Vorgaben ab. In manchen Kommunen ist Versickerung erwünscht, in anderen ausgeschlossen oder an Bedingungen geknüpft. Die Klärung mit der Gemeinde sollte vor der Planung stehen.

Was ist eine Rigole?

Ein unterirdisches Sickersystem mit Kies und Sickerrohr, das Regenwasser sammelt und langsam ins Erdreich abgibt. Sie braucht Platz unterirdisch und ggf. einen Reinigungszugang.

Was ist Rückstau, und wie schütze ich mich?

Rückstau entsteht, wenn Kanalwasser ins Grundstück zurückdrückt, etwa bei Starkregen. Je nach Entwässerungsstelle kommen Rückstauverschlüsse oder Hebeanlagen infrage. Welche Lösung zulässig und sicher ist, hängt von Nutzung und Entwässerungssituation ab und gehört in die Planung eines Fachbetriebs.

Lohnt sich eine Zisterne?

Wenn Sie Gartenbewässerung oder andere Nutzung haben und die Dachfläche genug Wasser liefert, kann sich die Zisterne lohnen. Die Wirtschaftlichkeit hängt von Nutzung und Wasserpreisen ab.

Wohin mit dem Wasser von der Einfahrt?

Über Gefälle zu Rinnen oder in die Fläche, je nach Grundstückssituation. Die Lösung wird in der Planung festgelegt.

Wer klärt die kommunalen Vorgaben?

Der Fachbetrieb in Abstimmung mit der Gemeinde. Was konkret für Ihr Grundstück gilt, hängt von lokalen Regelungen ab; für den aktuellen Stand lohnt sich die Nachfrage bei der Gemeinde.

Passenden Betrieb finden

Wenn Sie Ihr Grundstück entwässern möchten und die Lösung klären wollen, können Sie Ihr Projekt ebenfalls einstellen. Der passende Fachbetrieb kann das Grundstück beurteilen. Handwerk Nordhessen hilft dabei, passende Garten- und Landschaftsbauer aus Nordhessen zu finden.